Alle kommen nach Ibiza und gehen direkt an den Strand. Das ist auch wunderbar — die Strände hier sind wirklich außergewöhnlich. Aber wenn du die Insel so sehen willst, wie die Einheimischen sie kennen, musst du ins Wasser. Nicht auf einem Partyboot mit DJ und Cocktail in der Hand (auch das hat seinen Reiz), sondern in einem Kajak, die Nase nah an einer Kalksteinklippe, und beobachtest, wie die Farben von türkisblau zu tiefem Saphir wechseln, während sich der Meeresboden unter dir in die Tiefe zieht.
Ich paddle und schnorchere seit Jahren rund um diese Insel. Was ich dabei entdeckt habe — versteckte Meeresbögen, Unterwasserwiesen, die im Strom tanzen, Höhlen, die nur vom Wasser aus zugänglich sind — das gehört zu meinen liebsten Ibiza-Erinnerungen. Das ist der Guide, den ich mir gewünscht hätte, als ich zum ersten Mal ankam.
Kajak auf Ibiza: Die schönsten Routen & Buchten
Ibizas West- und Nordküste sind am besten für Seekajaking geeignet — dramatische Kalksteinklippen, versteckte Buchten und Meereshöhlen, die deine Paddelschläge in Stille verschlucken. Der Süden ist offener und kann nachmittags unruhig werden; Anfänger sollten daher an der ruhigeren Westküste starten.
Cala d'Hort bis Es Vedrà: Das ist wohl der ikonischste Paddelausflug der Insel. Starte am Strand von Cala d'Hort und paddele südwärts auf den imposanten Felsen Es Vedrà zu — eine geheimnisvolle 400 Meter hohe Kalksteinpyramide, die senkrecht aus dem Meer ragt. Auf Es Vedrà darf man nicht anlanden (es ist ein Naturschutzgebiet), aber ihn am frühen Morgen per Kajak zu umrunden ist ein Erlebnis, das dich nicht so schnell loslässt. Plane 2–3 Stunden für eine gemütliche Runde ein.
Küste bei Portinatx: Ganz im Norden bietet die Küste rund um Portinatx einige der geschütztesten Paddelgewässer der Insel: sanfte Buchten, eine Meereshöhle, die bei ruhigem Wellengang befahrbar ist, und Wasser so klar, dass man die Seeigel auf dem Grund zählen kann. Kajaks lassen sich am Strand von Portinatx oder bei S'Illot des Rencli, etwas weiter westlich, ausleihen.
Von Cala Llenya nach Cala Nova: An der Ostküste bietet dieser Abschnitt ruhige Bedingungen (er ist vor den vorherrschenden Winden geschützt), einfachen Zugang und eine Reihe kleiner Buchten zwischen den beiden Hauptstränden. Ein entspannter 90-minütiger Paddelausflug, ideal für Familien oder Neueinsteiger im Seekajaking.
Schnorcheln auf Ibiza: Was dort unten wartet
Das Mittelmeer rund um Ibiza ist kein Great Barrier Reef — du wirst keine leuchtenden Korallen und Schwärme tropischer Fische finden. Was du stattdessen findest, ist subtiler und — wenn man einmal ein Auge dafür entwickelt hat — schöner: Posidonia-Wiesen.
Posidonia oceanica ist ein im Mittelmeer endemisches Seegras. Es wächst unglaublich langsam — gerade mal ein bis zwei Zentimeter pro Jahr — und die Wiesen vor Ibizas Küste gehören zu den ältesten und ausgedehntesten der Welt. Als UNESCO-geschütztes Ökosystem sind sie der Grund, warum das Wasser rund um Ibiza so außergewöhnlich klar ist: Die Posidonia filtert das Meer und entfernt Partikel und Bakterien. Wenn du über einer Posidonia-Wiese schnorchelst, siehst du lange, bandartige Blätter, die sich im sanften Strom wiegen, kleine Fische, die zwischen ihnen huschen, Tintenfische in Felsritzen und — mit Geduld und etwas Glück — vielleicht sogar ein Seepferdchen.
Jenseits der Wiesen belohnt der felsige Meeresboden rund um Ibizas Landzungen sorgfältiges Schnorcheln. Halte Ausschau nach: Muränen in Felsspalten, Meeresbrassen in Schwärmen nahe der Oberfläche, Skorpionfischen, die sich an den Felsen tarnen (nicht anfassen!), und — wenn du sehr viel Glück hast — einer Unechten Karettschildkröte, die vorbeizieht.
Die besten Schnorchelspots
Cala Bassa: Das Schnorcheln an den Felsen an beiden Enden dieses Strandes an der Westküste ist hervorragend — klares Wasser, felsiger Meeresboden, gute Fischvielfalt. Komm früh, um dir einen Platz zu sichern, bevor die Liegen vergeben sind.
Cala Salada: Einer der besten Schnorchelspots der Insel, besonders rund um das felsige Vorgebirge nördlich des Hauptstrandes. Das Wasser ist traumhaft, die Felsen sind beeindruckend, und an ruhigen Tagen im April und Mai hat man es fast für sich allein.
Punta Galera: Überhaupt kein Sandstrand — nur flache Kalksteinplatten, die ins Meer abfallen — aber was darunter liegt, macht ihn zu einem der faszinierendsten Orte Ibizas. Ideal für erfahrene Schnorchler: Der Meeresboden fällt schnell ab und die Felsformationen sind außergewöhnlich.
Es Figueral: An der geschützten Nordostküste bietet dieser Strand ruhiges, klares Wasser und felsige Abschnitte an beiden Enden, die sich hervorragend zum Schnorcheln eignen. Die Posidonia-Wiesen hier sind besonders ausgedehnt.
Wann ist die beste Zeit?
April und Mai sind für Kajaking wie Schnorcheln wirklich wunderbar. Die Wassertemperatur liegt bei etwa 17–19 °C — kühl genug, dass man zum Schnorcheln einen dünnen Neoprenanzug braucht, aber beim Kajaking durchaus angenehm, wenn man sich bewegt. Entscheidend: Die Massen sind noch nicht da, die Strände sind ruhig, das Wasser ungestört, und man kämpft sich nicht durch Ausflugsboote, um die besten Spots zu erreichen.
Im Juli und August ist das Meer wärmer (24–25 °C), aber die beliebten Strände können voll und laut sein. Wer im Hochsommer kommt, sollte vor 9 Uhr morgens oder nach 17 Uhr ins Wasser gehen, wenn der Bootsverkehr nachlässt.
Ausleihen oder Eigenes mitbringen?
Kajaks lassen sich auf Ibiza einfach und günstig ausleihen. Die meisten Strandclubs und Wassersportunternehmen vermieten Sit-on-Top-Seekajaks stundenweise (ca. 15–20 € pro Stunde oder 50–80 € für einen halben Tag). Stand-up-Paddleboards sind ebenso verfügbar. Beim Schnorchelzubehör gilt: Bring es möglichst selbst mit — Leihausrüstung ist okay, aber eine Maske, die wirklich gut sitzt, macht einen enormen Unterschied.
Wer eine geführte Tour bevorzugt, findet mehrere Anbieter mit halbtägigen Kajak-Ausflügen, die Paddeln und Schnorchelstopps kombinieren — ideal für Erstbesucher. Ibiza Kayak und Kayak Ibiza haben beide einen guten Ruf und kompetente Guides, die genau wissen, wohin sie dich führen müssen.
Ein paar Sicherheitshinweise
Das Mittelmeer kann sich schnell verändern. Prüfe immer die Windvorhersage, bevor du aufbrichst — alles über 15 Knoten macht Seekajaking für Anfänger unangenehm und potenziell gefährlich. Beim Schnorcheln im offenen Wasser solltest du eine Signalboje (eine leuchtend bunte aufblasbare Wurst, die du hinter dir herziehst) verwenden, damit der Bootsverkehr dich sehen kann. Schnorchere nie allein. Und respektiere die Posidonia: Es ist verboten, über den Wiesen zu ankern oder sie zu beschädigen — die Strafen sind empfindlich.
Vor allem: Nimm dir Zeit. Das Beste von Ibizas Unterwasserwelt belohnt Geduld. Bleib fünf Minuten reglos über einer Felsspalte und du wirst Dinge sehen, die du beim Durchschwimmen völlig verpassen würdest.
Die Insel ist außergewöhnlich vom Strand aus. Vom Wasser aus ist sie etwas völlig anderes.