Ich lebe lang genug auf dieser Insel, um zu wissen: Das Geheimnis von Ibiza liegt weder im richtigen Club noch im besten Restaurant — es liegt darin, seinen persönlichen Sonnenuntergangsplatz zu finden. Diesen einen Ort, wo man sich hinsetzt, zuschaut, wie die Sonne im Mittelmeer versinkt, und das Gefühl hat, die ganze Welt habe nur für einen verlangsamt.
Jetzt, wo die Saison erwacht und die Tage nach der heutigen Frühlingstagundnachtgleiche länger werden, war es noch nie ein besserer Zeitpunkt zum Erkunden. Hier sind die Strände, an die Einheimische — und wirklich Eingeweihte — gehen, wenn die goldene Stunde anbricht.
Cala Comte (Platges de Comte) — Die unbestrittene Königin der Sonnenuntergänge
Fragt man einen Einheimischen nach dem besten Sonnenuntergangs-Strand Ibizas, nennen neun von zehn ohne Zögern Cala Comte. Und ehrlich gesagt? Sie haben recht. Dieser Buchtenstreifen an der Westküste — technisch eine Reihe kleiner Felsbuchten namens Platges de Comte — zeigt fast genau nach Westen, sodass die Sonne direkt hinter den vorgelagerten Inselchen Illa des Bosc und S'Illa des Porcs ins Meer taucht.
Das Wasser ist außergewöhnlich: Je nach Tageszeit und Lichteinfall wechselt es zwischen Türkis, Smaragd und tiefem Saphirblau. In der goldenen Stunde verwandelt sich die gesamte Szenerie in flüssiges Gold. Die flachen Felsen zwischen den Buchten füllen sich mit Menschen, die sich niederlassen — ein kühles Getränk in der Hand —, um das Spektakel zu erwarten.
Im Frühling sollte man bis 18:00 Uhr vor Ort sein (im Sommer früher), um einen guten Platz zu sichern. Der Chiringuito an der Cala Comte serviert kalte Getränke und frischen Fisch — und bei dem richtigen Licht gibt es auf der ganzen Insel keinen besseren Tisch. In der Hochsaison empfiehlt es sich, das Auto stehen zu lassen und die Fähre vom Hafen San Antonio zu nehmen. Das ist schon die halbe Freude.
Ses Salines — Europas schönster Naturstrand in der goldenen Stunde
Ses Salines gilt durchgängig als einer der besten Strände Europas und ist zu jeder Tageszeit ein besonderer Ort — am späten Nachmittag wird er jedoch zu etwas ganz Anderem. Der weiße Sand leuchtet in warmem Bernsteinton, die Pinienwälder dahinter füllen sich mit dem Gesang der Vögel, die sich für die Nacht niederlassen, und die vor Anker liegenden Boote schaukeln sanft in nahezu spiegelglattem Wasser.
Ses Salines liegt im geschützten Naturpark Ses Salines — das bedeutet keine Überentwicklung, keine Hochhäuser, kein Beton-Alptraum. Nur Strand, Pinien, Meer und Himmel. Die legendären Beach-Bars Jockey Club und Ca's Costas sorgen für eine entspannte Atmosphäre mit der richtigen Musik — nicht zu laut, nie überwältigend.
Von Ibiza Town ist es etwa 20 Minuten mit dem Auto — jeden Kilometer wert. Das südliche Ende, wo sich der Strand in Richtung Cala Jondal erstreckt, wird wilder und einsamer: ideal für alle, die ihr ganz persönliches Paradies suchen.
Cala Bassa — Geschützt und in einem unmöglichen Blau
Cala Bassa liegt in einer natürlichen Bucht an der Westküste nahe San Antonio, geschützt von kiefernbewachsenen Hügeln, die den Ort wie eine kleine, heile Welt wirken lassen. Das Wasser ist berühmt für seine Seichtheit und sein Türkisblau — man kann 30 Meter hinauswaten und sieht immer noch seine Füße — und der Strand selbst ist großzügig genug, um nie so überfüllt zu wirken wie manche der bekannteren Orte.
Der Cala Bassa Beach Club (CBbC) ist aus gutem Grund einer der besten der Insel: gutes Essen, gute Musik und ein Publikum, das gekommen ist, um den Tag zu genießen — nicht um sich in Szene zu setzen. Wenn der Sonnenuntergang naht, wechselt das DJ-Set zu etwas Melodischerem, der Himmel färbt sich korallrosa über den westlichen Hügeln, und man wünscht sich, die Liege für den ganzen Tag gebucht zu haben.
Vom Hafen San Antonio gibt es eine regelmäßige Bootsverbindung — eine herrliche Anreisemöglichkeit, bei der man ein kühles Getränk schlürfend in die Bucht gleitet. Sehr Ibiza-typisch.
Cala Gració und Cala Gracioneta — Die geheime Seite San Antonios
Die meisten San-Antonio-Besucher konzentrieren sich auf die berühmten Sunset-Strip-Bars — die sind auch durchaus unterhaltsam. Für ein entspannteres, lokales Erlebnis läuft man jedoch einfach 10 Minuten nördlich des Ortszentrums dem Küstenpfad entlang bis zur Cala Gració.
Diese reizende kleine Bucht wird von niedrigen Pinien beschützt und von traditionellen Fischerunterkünften — den Varaderos — gerahmt, die ihr eine zeitlose, gelassene Qualität verleihen. Das Wasser ist ruhig und flach, perfekt für ein Bad am späten Nachmittag. Noch fünf Minuten weiter ums Kap erreicht man Cala Gracioneta, eine noch kleinere, intimere Bucht mit einem hübschen kleinen Strandrestaurant, das gegrillten Fisch und kalten Rosé serviert.
Einheimische bringen hier an Sommerabenden ihre Familien hin. Es ist genau diese Art von Strand — einer, bei dem man das Gefühl hat, etwas Besonderes entdeckt zu haben.
Aguas Blancas — Dramatik an der wilden Nordostküste
Für etwas völlig anderes fährt man in den Nordosten. Aguas Blancas wird von dramatischen roten Sandsteinklippen gesäumt, die bei tiefem Sonnenstand eine fast übernatürliche Purpurrot-Tönung annehmen — ein spektakulärer Kontrast zum blaugrünen Meer darunter.
Das ist Ibizas wilde Seite. Die Wellen sind etwas höher, der Strand rauer, und das Publikum setzt sich aus Nudisten (es ist seit Jahrzehnten ein Naturistenstrand), Bodyboardern und jenen zusammen, die den Aufwand betrieben haben, etwas wirklich abseits der ausgetretenen Pfade zu finden. Der rustikale Chiringuito serviert frischen Fisch und kalte Getränke, und der Strand liegt so weit vom Club-Circuit entfernt, wie man auf derselben Insel nur sein kann.
Es ist kein Strand mit Blick auf den Sonnenuntergang — die Sonne sinkt hier hinter den Hügeln — aber das Abendlicht auf diesen roten Klippen ist ein Anblick, den ich nie müde werde zu sehen. Die Fahrt nach Norden lohnt sich.
Talamanca — Sonnenuntergänge mit Dalt Vila als Kulisse
Hier ein weniger bekannter Tipp für den Sonnenuntergang, den die meisten Besucher völlig übersehen: Talamanca. Diese wunderschöne geschwungene Bucht, nur 10 Gehminuten von Ibiza Town entfernt, zeigt nach Westsüdwest, und beim Sonnenuntergang beleuchtet das Licht die alten goldenen Mauern von Dalt Vila — Ibizas UNESCO-Welterbestätte — vom Wasser aus. Es ist einer der stillen Romantikblicke der Insel.
Die Promenade-Restaurants hier sind ausgezeichnet. Sa Punta an der Nordspitze der Bucht gehört zu den besten Restaurants auf der Insel. Einen Tisch draußen reservieren, den Tagesfang bestellen und beobachten, wie die Festungsmauern von Gold über Rosa zu Violett wechseln, während der Abend hereinbricht. Mágico.
Praktische Hinweise für die Saison 2026
Die Saison beginnt gerade erst — in diesen wunderschönen frühen Frühlingswochen sind die Strände herrlich leer, das Meer frisch (ca. 16–17 °C), und man hat die besten Plätze oft fast für sich allein. Ab Juni ändert sich alles — also nutzen Sie dieses Frühlingsfenster, solange es besteht.
Die meisten Weststrände füllen sich an Sommerabenden schnell. Wer im Juli oder August Cala Comte besucht, sollte spätestens um 17:00 Uhr dort sein, um einen guten Platz für den Sonnenuntergang zu sichern. Das Parken rund um Cala Comte und Cala Bassa ist in der Hochsaison notorisch schwierig — die Fähre vom Hafen San Antonio ist wirklich die beste Option.
Und tun Sie es den Einheimischen gleich: eine kleine Kühlbox mit Getränken mitbringen, einen Felsen finden und es sich gemütlich machen. Das Spektakel beginnt im Frühling gegen 19:15 Uhr und zieht sich im Hochsommer bis nach 21:30 Uhr hin. So oder so — es lohnt sich immer, zu bleiben.
Fins aviat — bis bald am Strand. 🌅