Frag einen Ibizenker, was du auf der Insel trinken solltest, und du bekommst nicht den Namen eines Cocktails zu hören. Du hörst von Hierbas, einem hell-goldenen Kräuterlikör, der nach dem Mittagessen eingeschenkt wird, oft aus einer unetikettierten Flasche, die irgendjemandes Tante angesetzt hat. Du hörst von Frígola, einem Spirituosenlikör mit Thymianaroma, der schmeckt wie ein Spaziergang durch die Hügel. Und immer häufiger hörst du vom Wein, denn Ibizas kleine Weingüter bringen leise, aber stetig Flaschen hervor, die man suchen sollte.
Der Herbst ist die beste Zeit dafür. Die Weinlese ist gerade abgeschlossen, die Hitze hat nachgelassen, und die Terrassen auf dem Land laden zu langen, entspannten Mittagessen ein. Hier ist dein Guide zu den lokalen Getränken Ibizas: was du bestellen solltest und wo die Trinkkultur der Insel wirklich lebt.
Hierbas Ibicencas: Die Insel im Glas
Wenn es ein Getränk gibt, das zu Ibiza gehört, dann sind es die Hierbas Ibicencas. Es ist ein Likör auf Anisbasis, angesetzt mit wilden Kräutern aus den Hügeln der Insel. Thymian, Rosmarin, Fenchel und andere aromatische Pflanzen kommen in traditionellen Rezepten vor, auch wenn jede Familie und jeder Hersteller seine eigene Mischung hütet.
Serviert wird er in einem kleinen Glas, meist am Ende einer Mahlzeit, und er ist zum Nippen gedacht. Der Geschmack ist zuerst süß, dann würzig-kräuterig und im Abgang leicht bitter. Manche Varianten sind trocken, andere süßer, und die Farbe reicht von hellem Strohgelb bis zu tiefem Bernstein – je nach Kräutern und Reifung.
So trinkst du ihn wie ein Einheimischer:
- Nach dem Mittagessen. Bestell ihn zum Kaffee, so wie du anderswo in Spanien einen Digestif bestellen würdest. Traditionell wird er als krönender Abschluss eines üppigen Essens gereicht.
- Auf Eis. Viele Bars schenken ihn an warmen Nachmittagen über Eis aus. Trockene Varianten passen dazu besonders gut.
- Als Geschenk. Eine Flasche Hierbas ist das klassische Ibiza-Souvenir. Such lieber nach kleinen Produzenten auf Märkten und in Dorfläden als an den Flughafenregalen.
Wenn dich die hausgemachte Tradition interessiert, frag in einem Restaurant auf dem Land nach. Viele Familien setzen ihre Kräuter noch selbst an, und manche Lokale schenken dir gern ein Glas der Hausversion ein.
Frígola: Der Thymianlikör, den die meisten Besucher verpassen
Während Hierbas berühmt ist, ist Frígola die Wahl der Kenner. Es ist ein Likör auf Thymianbasis, der mit Ibiza und Formentera verbunden ist und aus dem wilden Thymian entsteht, der die trockenen Hänge bedeckt. Das Wort Frígola ist der lokale katalanische Name für Thymian.
Der Geschmack ist klarer und eigenständiger als bei Hierbas: grün, harzig und leicht süß, mit einem unverkennbar mediterranen Duft. Er ist ein wunderbarer Begleiter nach einem Fischgericht – und ein schönes, etwas anderes Mitbringsel für alle, die schon Hierbas heimgebracht haben.
Auf der Karte steht er nicht immer, also frag einfach nach. Traditionelle Restaurants und Bars in den Dörfern sind die beste Adresse, ebenso die Craft-Spirituosenläden und Märkte der Insel.
Ibiza-Wein: Kleine Weingüter mit echtem Charakter
Ibiza blickt auf eine lange Weinbautradition zurück, und in den letzten Jahren hat eine neue Winzergeneration sie wieder ins Rampenlicht gerückt. Der Großteil des Inselweins trägt die Bezeichnung Vi de la Terra d'Eivissa, und die Weingüter sind meist klein, familiengeführt und oft biologisch oder mit minimalem Eingriff bewirtschaftet.
Erwarte eine Mischung aus Rebsorten, die du kennst, und einigen, die du vielleicht nicht kennst. Monastrell und Tempranillo stecken in vielen Rotweinen, neben internationalen Sorten wie Merlot, während Weiß- und Roséweine aufs Klima abgestimmt sind: frisch, lebendig und wie gemacht für Fisch und Meeresfrüchte. Die Flaschen entstehen in kleinen Mengen, was zum Reiz gehört. Oft trinkst du etwas, das die Insel kaum verlässt.
Das Weinland konzentriert sich auf das grüne, hügelige Inselinnere. Die Gegend um Sant Mateu sowie das Hinterland von Sant Antoni und Santa Agnès ist der Ort, wo du die meisten für Besucher geöffneten Weingüter findest. Manche bieten Führungen und Verkostungen an, einige kombinieren Wein mit lokalem Essen auf einer Terrasse. Die Öffnungszeiten ändern sich je nach Saison, also informiere dich vorab oder reserviere – vor allem jetzt, wo der Herbst da ist.
Ein paar Tipps für einen gelungenen Weingutbesuch:
- Buch eine Verkostung. Kleine Produzenten arbeiten oft nach Voranmeldung, besonders außerhalb der Hochsaison.
- Geh am Ende des Tages. Das Herbstlicht über den Reben ist traumhaft, und eine späte Verkostung geht ganz natürlich in das Abendessen über.
- Nimm eine Tasche mit. Die Flaschen werden in kleinen Auflagen abgefüllt, und manche gibt es nur direkt auf dem Gut.
- Bestimme einen Fahrer. Die Straßen zwischen den Weingütern sind ruhig und kurvig. Nimm ein Taxi oder eine Tour, wenn du richtig probieren möchtest.
Die Getränke des Alltags: Kaffee, Vermut und Sonnenuntergangsterrassen
Ibizas Trinkkultur besteht nicht nur aus Spirituosen und Wein. Der Alltagsrhythmus ist schlichter und charmanter.
Café con leche und ein Gebäckstück in der Dorfbar – so beginnen die meisten Einheimischen den Morgen, meist stehend am Tresen. Der Platz vor der Dorfkirche mit einem Kaffee in der Hand ist eines der schönsten kleinen Rituale der Insel.
Vermut ist in ganz Spanien zum Wochenend-Klassiker geworden, und Ibiza hat ihn gern übernommen. Mit Eis, einer Orangenscheibe und einer Olive serviert, ist er die perfekte Bestellung vor dem Mittagessen und passt wunderbar zu salzigen Snacks und Oliven.
Drinks bei Sonnenuntergang sind weiterhin eine ibizenkische Institution, und im Herbst werden sie noch besser. Die Menschenmassen lichten sich, der Himmel färbt sich in tieferen Rosa- und Orangetönen, und du bekommst tatsächlich einen Tisch. Fahr nach Westen an die Küste bei Sant Antoni oder such dir eine der ruhigeren Strandbars an der Südküste aus und bestell ein kaltes Bier, ein Glas lokalen Weißwein oder einen langen Vermut.
Wo du deine Verkostungstour beginnen kannst
Wenn du einen einfachen Plan möchtest, probier diesen über ein langes Wochenende:
- Freitag zum Sonnenuntergang: ein Glas lokaler Weißwein auf einer Terrasse an der Westküste.
- Samstagmittag: ein Landrestaurant mit traditioneller ibizenkischer Küche, danach ein kleines Glas Hierbas zum Kaffee.
- Samstag am späten Nachmittag: eine gebuchte Verkostung auf einem Weingut im Hinterland von Sant Mateu oder Sant Antoni.
- Sonntagsmarkt: stöbere auf einem Dorfmarkt nach Hierbas und Frígola aus Kleinproduktion und nach Flaschen für zu Hause.
Praktische Tipps
- Frag nach „de la casa“. Hausgemachte Hierbas oder Hauswein sind oft ein lokaler Tropfen mit echtem Charakter.
- Kauf lokal. Wähle Produzenten aus Ibiza und Formentera statt generischer Flaschen mit Insel-Etiketten.
- Prüfe die Öffnungszeiten. Viele Weingüter und ländliche Restaurants verkürzen im Winter ihre Zeiten oder schließen, also bestätige vor der Reise.
- Nimm dir Zeit. Diese Getränke sind zum Nippen, für Gespräche und für lange Tafeln gemacht.
Was diese Woche auf der Insel los ist – von Märkten und Konzerten bis zu traditionellen Festen –, findest du in den Veranstaltungslisten des Ibiza Calendar. Plane deine Verkostungstour einfach darum herum.